AK – Zwei-Jahres-Bilanz

Ladenburg: „AK für Flüchtlinge und Hilfsbedürftige“ zieht erfolgreiche Zwei-Jahres-Bilanz / Neues Sprecherteam gewählt.

Zahlreiche Arbeits- und Ausbildungsplätze vermittelt !

Ehrenamtliche schließen auch in Ladenburg Lücken im sozialen System. Manche tun das jeden Tag, andere sind für Einzelaktionen erreichbar.  In der Öffentlichkeit wird das zivilgesellschaftliche Engagement in der Flüchtlingsbetreuung kaum gewürdigt, oft sogar schlechtgeredet. „Das halten wir alles aus“, meint Sabine Weil lachend. Zusammen mit Irene Niethammer wurde sie in der jüngsten Versammlung des „Arbeitskreises für Flüchtlinge und Hilfsbedürftige“ (AK) zur neuen Sprecherin gewählt.

Zum Leitungs-Team gehören außerdem Monika Herbert, Petra Fuhry, Celia Amler und Eva-Maria Woll. Rund 60 weitere Personen stehen auf der Helferliste des AK. Was wurde erreicht in den vergangenen zwei Jahren? Im Alltag geben sie Deutschkurse und Schülernachhilfe, kümmern sich um rechtlichen Beistand oder leiten durch das Behördendickicht.    In einer Kleiderkammer versorgen sie Menschen mit gut erhaltenen Second-Hand-Waren und mit Hilfe eines großen Helfernetzes vermitteln die AK-Mitarbeiter Ausbildung- und Arbeitsplätze. „Das hat mit der Unterstützung regionaler Betriebe bislang gut geklappt“, freut sich Petra Fuhry. In Ausbildung seien zurzeit etwa zehn Flüchtlinge in der Altenpflege, im Straßenbau oder im Einzelhandel, in Arbeit seien rund 50 Menschen. Allerdings meist in Niedriglohnjobs. „Aber die Wertschätzung durch Arbeit ist gerade für Männer enorm wichtig und hilft bei der Integration.“

Seit Ende November ist die Gemeinschaftsunterkunft zwischen Ladenburg und Heddesheim mit ursprünglich lebten nach Angaben des AK´s noch rund 40 Männer dort. Diese sind jetzt in der kommunalen Anschlussunterbringung in Ladenburg und in den umliegenden Gemeinden untergebracht.  Insgesamt, so erklärt Sabine Weil, betreut der AK mit den schon anwesenden Familien in der Römerstadt nun fast 80 Personen. Weitere werden in 2018 erwartet. Sie wohnen in Häusern der Stadt, manche auch in Privatwohnungen. „Ausbildung macht übrigens arm“, schütteln die Frauen den Kopf. Wer es schafft, einen Ausbildungsplatz zu finden, fällt aus sämtlichen Asylleistungen heraus. „Das reicht dann hinten und vorne nicht mit der Miete“, heißt es.  250 Euro Warmmiete würde zum Beispiel die Stadt pro Person in einem Haus an der Beint verlangen. „Aber Einzelzimmer gibt es da keine.“

 

 Wo bleibt der Stolz auf das Erlangte? Celia Amler überlegt.  Sie betreut als „Patin“ eine Familie mit drei Kindern aus dem Balkan. „Da dachte ich schon manchmal, was das eigentlich bringt. Man muss ja mit einer Ausweisung rechnen.“ Doch dann berichtet sie von den Kindern, die deutsch lernten und jetzt lesen, schreiben und rechnen können. „Sie werden ein Leben lang davon profitieren, egal was passiert. Allein dafür lohnt sich meine Mühe“, meint sie. „Und man bekommt viel Freundschaft zurück.“ Die anderen Frauen erzählen ähnliche Geschichten. Sie alle sind berührend.  „Die Freude, wenn etwas geklappt hat, hält uns bei der Stange.“ Petra Fuhry zitiert einen Spruch aus dem Flüchtlingshelferkreis: „Ich habe in den letzten zwei Jahren eine Weltreise gemacht, ohne das Land zu verlassen.“

Und wie sieht die Zukunft aus? „Integration fängt im Alltag an. Wir brauchen dringend weitere Paten“, sagen die Frauen. Und sie hoffen, dass die Stadt Ladenburg endlich die Stelle der Integrationsbeauftragten auf Dauer besetzt.

Text/Foto: Beate Stumpf